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Magische Misere México: Thomas Cook und unsere Fiebrige Verlobung

Zwischen Traumstränden und smaragdgrünem Wasser, zwischen Palmen und Schildkröten, erleben wir eine ganze Legebatterie an Emotionen – Wut, Frustration, Trauer, Angst, Panik und zugleich Glücksgefühle keines gleichen. In México erleben wir die bis dato tiefsten Tiefpunkte unserer Reise, aber auch zugleich die höchste Form der Glücksgefühle.



OH THOMAS DU KLEINE KACKSAU

Bereits im Februar haben wir aus dem fernen Neuseeland gemeinsam mit unserer guten Freundin Anna einen richtig geilen „Urlaub“ gebucht – 10 Tage, all inklusive mit Suite und Jacuzzi auf dem Balkon – mit direkter Strandlage in Yucatan - Akumal, zwischen Cancun und Tulum – mit fünf Mahlzeiten am Tag – Buffet und A la Cart - Tequila und Margaritha bis zum Umfallen, Sushi Chef und Schnorcheln mit Schildkröten. Ende August haben wir brav jeder unser Geld überwiesen – das sind pro Nase 600€, für Anna noch plus Flug. Der Urlaub konnte also kommen und nach der langen Zeit, in der wir nun im Auto gelebt haben, 17.000 Kilometer durch die USA gefahren sind und penibel (fast) jeden Pfennig umgedreht haben, haben wir nichts sehnlicher erwartet als dieses kurzweilige sorgenfreie Leben im absoluten Luxus, mit Essen bis zum Umfallen, duschen ohne Adilette und einer richtig schicken Klobrille. Vor Allem aber war die Vorfreude auf ein liebes Gesicht aus der Heimat das absolute Glücksgefühl, welches uns in schweren Momenten durch den Tag gebracht hat.

Glücksgefühle verwandelten sich schnell in ein Gebräu aus Wut, Frustration und Trauer als zehn Tage vor Reisebeginn die Thomas Cook, inklusive all ihrer Tochterfirmen, Insolvenz anmeldet. Die Medien sind voll davon und als wir feststellen, dass Anna unsere gesamte Reise (um wohlbemerkt auf „Nummer sicher“ zu gehen) mit Neckermann gebucht hat, trifft uns der Schlag: „Davon sind doch immer nur andere betroffen – sowas passiert einem doch nicht selber.“ Tatsächlich schon – tatsächlich passiert das auch uns – wahrscheinlich erst recht uns – uns Weltreisenden, die sich eh schon seit neun Monaten ein Lottoleben machen und jetzt auch noch ins All-Inklusive-Sushi-Chef-mit-Jacuzzi-auf-dem-Balkon-Hotel wollen. Von Neckermann und der Thomas Cook erfahren wir selber leider nichts, erst als wir persönlich in unserem Sushi-Chef-Hotel anrufen, erfahren wir, dass unsere Buchung bereits storniert ist – zwei Tage vor Abflug kommt dann auch die offizielle E-Mail vom Veranstalter: „Das war’s Lars, schade Schokolade – ihr bekommt heute leider kein Foto.“ – und damit erlosch unser letzter Funken Hoffnung, dass vielleicht in letzter Minute noch jemand das gute alte deutsche Traditionsunternehmen Neckermann aufkaufen könnte – Anna’s Flug und unsere Suite mit Jacuzzi wurde soeben storniert, Geld gab es bis dato keines, eine Neubuchung konnte sich keiner von uns leisten und wir uns somit nicht wieder sehen. Auf den Sushi-Chef haben wir mittlerweile gepfiffen, den Verlust der Glücksgefühle über unser, seit Februar ersehntes Wiedersehen jedoch noch lange nicht. Ach Thomas Cook, du kleine Kacksau – das werden wir dir so schnell nicht verzeihen! Und während Anna also im herbstlichen Berlin ihre Lehrerinnen-Ferien depressiv passieren lies, musste für uns ein Plan B her – bestenfalls ein möglichst günstiger, denn wir hatten ja soeben jeder 600€ die schicke Porzellanklobrille runtergespült. Plan B waren zwei Wochen Guatemala inklusive unserem ersten richtigen Kulturschock, arbeiten für einen deutschen Architekten mit Taranteln im Innenhof und einer gigantischen Vulkantour mit echter Lava (mehr dazu in unserem Guatemala Bericht). Unser Los war also nur halb so schlimm wie das von Anna – finanziell mussten wir zwar ordentlich einbüßen, aber dafür waren wir dennoch im Paradies und machten uns nach unserer Zeit in Guatemala mit einer knappen Verspätung von zwei Wochen doch noch auf nach México.

Die Ecke um Akumal, Yucatan, Cancun und Tulum mussten wir sowohl aus finanziellen als auch aus emotionalen Gründen auslassen (@Anna: Den Sushi-Chef holen wir gemeinsam nach) und so ging es für uns von Guatemala auf nach Puerto Escondido, wo uns México erst so richtig in den Arsch treten sollte.


MOMENTE IN PUERTO ESCONDIDO

México hat sich ein recht logisches, wenn auch unpraktisches Flugnetz zusammengebastelt. Sprich, egal wo man hin will, Dreh- und Angelpunkt ist México City, ansonsten gibt es keine Flugverbindung zwischen den Orten. Und so geht es für uns von Guatemala City nach México City und von da mit einer 60-Mann Turbopropeller Maschine nach Puerto Escondido – was im ersten Moment im Gegensatz zu einem Jumbo Jet nicht sehr vertrauenswürdig aussieht und im Internet auch gerne als „Abstürzen mit Stil“ beschrieben wird, bringt uns Gott sei Dank sicher und größtenteils ohne Turbulenzen ans Ziel: Puerto Escondido, der kleinste Flughafen der Welt – zwei Minuten Fußweg trennen unser Flugzeug vom Kofferband.


In Puerto Escondido haben wir uns im Hostel Villa Mango zum Workaway angemeldet und wurden zeitgleich unter Caro’s, eine waschechte Mexikanerin aus dem Norden Mexicos, und Marco’s, ihrem Schweizer Freund, schützenden Hände genommen und in das mexikanische Leben in Puerto Escondido eingeführt. Hier werden wir für drei Wochen leben und arbeiten und uns mit Putzen und Yogastunden unser Bettchen verdienen. Putzen das können wir – Badezimmer, Küche und Gemeinschaftsraum – dazu noch den Kaffee für die Gäste kochen; das kriegen wir hin. Yogastunden gibt Tini, die sich vorher, als alte Sport Management Studentin, ein kleines Programm zusammen gebastelt hat und dabei langsam aber sicher ihren inneren Yogi findet – mit dem herabschauenden Hund, dem Krieger und der Krähe starten wir so – zumindest in der ersten Woche – jeden Tag entspannt in den Tag. Tini baut eine echte Fangemeinde in Puerto Escondido auf und so erfreuen sich Hotelgäste wie auch Locals an unserem kleinen Morgenritual. Nach unserem Morgenritual und einem ausgiebigen Frühstück entspannen wir meistens für ein paar Stunde in den Hängematten und kommen mal so richtig zur Ruhe – am Abend trinken wir Corona, essen aus der weltbesten mexikanischen Küche Tacos al Pastor, Gringa und Torta (wir finden hier unseren maxikanischen Döner), Sissy lernt dank Mayela, einer mexikanischen Volontärin im Hostel, wie man Makramé macht, einen Abend nehmen wir bei Caro Spanischunterricht und ohnehin überanstrengen wir uns in diesen Tagen nur selten.





Neben dem Alltäglichen erleben wir in der ersten Woche viele schöne Dinge. Wir gehen oft zum Strand, baden im äußerst welligen und lebendigen aber türkiesblauen bis smaragdgrünen Meer, genießen den Sonnenuntergang in den schönsten Buchten, die wir je gesehen haben, treffen uns mit Jana, die wir bereits in Guatemala kennen gelernt haben und machen uns ein paar entspannte Nachmittage im Beach Club Villasol, wo man für umgerechnet €7 Mindestverzehr die gesamte Poolanlage mit Strand- und Meerblick umzingelt von Palmen genießen darf.




Gemeinsam mit unseren Kiwi-Freunden Hannah und Lloyd, die wir während unserer zweitägigen Vulkanwanderung in Guatemala kennengelernt haben, verhelfen wir Schildkröten von ihren Schlüpfstationen am Strand zu einer sicheren und möwenattackenfreien Wanderung ins Meer – ein Erlebnis keines Gleichens – Bilder sagen hier wohl mehr als Worte – unsere Gesichtsausdrücke wahrscheinlich am meisten.







Zudem machen wir gemeinsam mit Nele, einer deutschen Touristin, die in unserem Hostel wohnt, einen kleinen Tagesausflug. Per Boot geht es durch eine gigantische Meeresenge, in der sich Fische, Schlangen und wohl auch die ein oder anderen Krokodile tummeln. Während wir leider keine nach Captain Hook lechzenden Krokodile sehen, sehen wir dafür viele coole Vögel und Pelikane. Hier befindet sich auch eine kleine Insel mit einer ganz eigenen kleinen Gesellschaft – mit einer Schule, kleinen Läden und einem Arzt. Mit dem Boot gelangen wir zu einem kleinen Strand, in unmittelbarer Nähe wird aus der ruhigen Meeresenge das gewaltige offene Meer – der pazifische Ozean öffnet sich vor unseren Augen. Am Strand werden wir für ein paar Stunden abgestellt – hier gibt es ein paar überteuerte Restaurants für die reichen Touristen und zudem ein paar Kinder, die für wenig Geld Fisch-Tacos anbieten. Wenig später werden wir, so heißt es, von „Einheimischen“ auf den Berg der Insel geführt, auf dem sich ein kleiner Leuchtturm mit 360 Grad Blick befindet. Am Fuße des Berges treffen wir auf unsere einheimischen Führer – genau genommen, zwei circa achtjährige Mädchen, die uns Barfuß durch den Wald und die Felsen hinauf auf den Gipfel des kleinen Berges bringen – wir eilen den flinken Mädchen keinerlei Schwäche zeigend hinterher, dann verschwinden sie in einem kleinen Turm – wir hinterher, eine kleine Metallleiter hoch und so stehen wir mit acht Erwachsenen und zwei Kindern auf einer circa 0,5 Quadratmeter Plattform des Leuchtturms und bekommen auf Spanisch erklärt, was sich um uns herum befindet: Ein Fischerboot, eine herzförmige Ausbuchtung, ganz in der Ferne das Zuhause der zwei Mädchen. Wir schauen der Sonne beim untergehen zu und genießen diesen gigantischen Ausblick, dann geht es wieder runter. Diesmal im Dunkeln – erneut stellen wir fest, dass wir eindeutig keine acht mehr sind. Während die beiden Mädchen von abertausenden Glühwürmchen begleitet den schmalen und felsigen Weg hinunter tänzeln, krabbeln wir teils auf allen Vieren den Berg hinab – begeistert von diesem Ausflug geht es dann im dunkeln zurück aufs Boot. Was zunächst gruselig wirkt, wird in kürzester Zeit magisch und meditativ. Das Boot jagt über das stille Wasser, der Himmel über uns ist mit abertausenden Sternen gefüllt, die Milchstraße ist klar erkennbar – zwischendurch ein Blitzlichtgewitter in der Ferne. Nach einer halben Stunde Fahrt halten wir an und als wir unsere Hände sanft durchs Wasser fahren, erleuchtet alles ganz hell – unter uns spektakuläres Meeresleuchten. Nachdem unser Guide zuerst ins Wasser springt, um ein Krokodilfreies Gewässer zu „gewähren“, gehen auch wir schwimmen - das Wasser ist warm und die Lichterscheinungen im Meer, die der Biolumineszenz zugerechnet werden, zeichnen unsere Körper ab. Beim Meeresleuchten scheint das Meerwasser blau zu lumineszieren. Tatsächlich leuchtet aber nicht das Meerwasser selbst, sondern die im Seewasser befindlichen Kleinstlebewesen senden nach Berührungsreiz mehr oder weniger lange andauernde Lichtsignale aus - ein paar davon haben wir mit unseren jetzt glitzernden Badeanzügen mit auf den Weg genommen.






An einem anderen Tag heißt es für uns richtig früh aufstehen. Gegen 6:45Uhr werden wir abgeholt; heute gehen wir Delphine gucken! Von einem nicht all zu weit entfernten Strand fahren wir mit einem kleinen Boot aufs offene Meer hinaus – der Hinweg ist bereits einigermaßen wackelig, aber die schöne Morgenluft gepaart mit der Sichtung unseres ersten Delphins, machen das ganze wieder gut. Eine Stunde später fängt unser Bootsfahrer an immer wieder auf offenem Meer anzuhalten – er schaut nach Delphinen, dreht das Boot dabei leicht im Kreis und nachdem wir noch ungefähr vier weitere in Paaren durchs Meer und an unserem Boot vorbei tänzelnden Delphine erblickt haben, war’s das dann auch mit unserer Freude an diesem Auslug: Ab jetzt heißt es nur noch: Bloß nicht ins Boot kotzen. Wir beide sind jetzt mittlerweile seekrank und Sissy verbringt die Rückfahrt zum Strand in der Mitte des Bootes liegend. Eine weitere Stunde später sind wir sehr glücklich die kleinen schönen Delphine in freier Wildbahn gesehen zu haben und noch viel glücklicher darüber, dass wir erfolgreich unsere Innereien beisammen gehalten haben.


Und so fallen wir an den meisten Abenden K.O. in unser Bettchen in diesem etwas remote liegenden, aber äußerst charmanten und authentischen 14-Bett Hostel. Jeder ein Bettchen bedeutet jeder ein Einzelbett im gemischten vierer Schlafsaal – für jeden das untere Bett der zwei Stockbetten mit sich in den Rücken bohrenden Federn; zumindest für die erste Woche haben wir den Schlafsaal durchgehend für uns allein. Danach gibt’s Besuch, andere Reisende aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt, mal mit und mal ohne erstickenden Alkoholausdünstungsgeruch am Morgen – alle sind super nett und meist auch rücksichtsvoll – dennoch stellen wir schnell fest, dass wir deutlich aus dem Schlafsaalalter raus sind und ein Zimmer für uns allein mit einem gemeinsamen Bett präferieren – ohnehin ist dies das erste Mal auf dieser Reise, dass wir in einem Schlafsaal wohnen und in getrennten Betten schlafen; jetzt wissen wir auch wieder warum – nur ungern parken wir unseren Backpack vor den auf links gedrehten getragenen Socken Fremder, nur ungern liegen wir im wackelnden Bett, weil sich oben gerade jemand auf die andere Seite dreht, nur ungern tauschen wir unsere Privatsphäre gegen fremde Pupse im Schlaf.


DIAGNOSE DENGUE FIEBER

Es dauert nicht lange und wir wechseln vom Schlafsaal in ein Einzelzimmer – tatsächlich eher ungewollt, denn das Einzelzimmer befindet sich im zweites Stock des Krankenhauses Angel del Mar in Puerto Escondido. Als Tini eines Morgens total unerwartet mit 39,8 Grad Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen aufwacht, verstehen wir zunächst die Welt nicht und machen uns einige Stunden später auf den Weg ins Krankenhaus. Als blonde weiße Mädchen, die ganz klar nach einer 1a zahlenden Versicherung aussehen, müssen wir hier nicht lange warten bis Tini auf der Liege liegt: Auf unsere erste Frage: „Sind die Nadeln hier steril?“, werden wir von Caro, die uns als Dolmetscherin begleitet hat, nur ausgelacht – unglaublich welche Vorurteile selbst wir zwei weltoffenen Menschen in uns tragen! Mit anderen Worten: Natürlich sind die Nadeln steril und werden vor unserer Nase, wie in jedem deutschen Krankenhaus auch, aus der Verpackung geholt. Mit Infusion im Arm und den Ergebnissen des ersten Bluttests steht ziemlich schnell fest: Dengue Fieber!




Beim Dengue Fieber handelt es sich um eine tropische und ausschließlich durch Mücken übertragene Krankheit beziehungsweise einen Virus, der im unbehandelten (!) Ernstfall bis zum Tode führen kann – da die Ärzte bis dato jedoch nur vom „Klassichen Dengue Fieber“ sprechen, müssen wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht all zu viele Sorgen machen. Es dauert nicht lange bis jedoch feststeht, dass Tini die Nacht im Krankenhaus verbringen soll. Sie bekommt ein Einzelzimmer mit Sofa – so müssen wir die Nächte nicht getrennt verbringen und können in dieser absolut unkomfortablen und beängstigenden Situation wenigstens zusammen bleiben.

Da es gegen den Virus leider weder einen Impfstoff noch ein Medikament gibt, können leider nur die jeweiligen Symptome behandelt werden: Dass heißt, Tini bekommt in den folgenden Tagen eine ordentliche Ladung Paracetamol zur Senkung des Fiebers, eine Menge Flüssigkeit und Elektrolyte gegen die durch den Virus verursachte Dehydration, ab und wann ein Schmerzmittel gegen die Glieder-/Knochen- und Kopfschmerzen (schließlich spricht man beim Dengue Fieber auch gerne von der Knochenbrecherkrankheit, weil sie mit so üblen Schmerzen im ganzen Körper verbunden ist) und ein Mittel, dass ihre mittlerweile viel zu wenig gewordenen weißen Blutkörperchen und Thrombozyten wieder auf einen normalen Wert bringen soll und die Leber wieder abschwellen lässt. Dazu gibt es jeden Tag einen neuen Bluttest und wie wir feststellen – viel zu wenig Essen! So verbringen wir also zunächst drei Tage und zwei Nächte im Krankenhaus und kämpfen uns mittlerweile ohne Dolmetscherin mit Händen, Füßen und Google Translate durch das spanische Ärztelatein – lediglich ein Arzt und ein Pfleger sprechen Englisch, von allen anderen werden wir angeguckt wie eine defekte Parkuhr. Wenn wir das für uns viel zu schnelle Spanisch der Krankenschwestern mal (haha) nicht verstehen, dann wiederholen sie den Satz einfach in dreifacher Lautstärke – das Taubheit kein Symptom des Dengue Fiebers ist, scheinen sie nicht zu wissen. Gott sei Dank ist unser behandelnder Arzt, Doktor Omar, der englischen Sprache mächtig und so auch ein einziger Pfleger, die uns zumindest wenn sie da sind, das Leben etwas einfacher machen. Die Sprachbarriere und die Ungewissheit über das was Tini hier verabreicht wird und wieso, macht die Tatsache der Tropenkrankheit und die Ungewissheit über den weiteren Krankheitsverslauf nicht einfacher – unsere Unfähigkeit Spanisch zu verstehen verwandeln wir schnell in eine potentielle Inkompetenz der Ärzte; dass das total unangebracht ist und die Ärzte hier sehr wohl wissen was sie tun, wissen wir mittlerweile auch – zum Zeitpunkt des Aufenthaltes war das jedoch nicht so klar.

Ein Aufenthalt in einem mexikanischen Krankenhaus stand absolut gar nicht auf unserer Bucketliste und so sind wir mehr als glücklich als Tini nach diversen Telefonaten mit der Versicherung in Deutschland an Tag 3 endlich entlassen wird und wir zurück in unser Stockbett im [...FORTSETZUNG FOLGT...].

GLÜCKSGEFÜHLE

Bis heute sind wir uns nicht sicher ob die Formulierung „Selbst Dengue Fieber konnte sie nicht davon abhalten“ oder „Sie hatte Dengue Fieber und war unzurechnungsfähig“ besser zutrifft – Fakt ist, sie hat die Frage gestellt, ob mit oder ohne Dengue.




Und so geht es für uns einen Tage nach Entlassung, an Tag 300 unserer Reise, zur bereits seit längerem und vor allem ohne Stornierungsmöglichkeit geplanten Überraschung: In einer der schönsten Buchten, Corizalillo, von Puerto Escondido hat Tini eine wunderbare Suite in einem wundervollen Hotel ganz weit oben am Hang mit Blick vom Balkon hinunter in die Bucht und auf das offene Meer gebucht. Die Suite hat gut dreißig Quadratmeter, eine kleine Küche, Schlaf- und Wohnbereich, ein überdimensional großes Bett, ein traumhaftes Badezimmer und einen gigantischen Balkon. Solche Dimensionen und so einen Luxus sind wir gar nicht mehr gewohnt und so ist unsere erste Aktivität nach Check-In gegen 14Uhr erst mal eine Stunde in diesem grandiosen höchst gemütlichen Bett zu schlafen. Dann besprechen wir uns noch, wie wir diese tolle Bettdecke und diese gemütlichen Kissen wohl nach Deutschland transportieren können und gehen dann eine Runde im Pool schwimmen. Darauf folgt eine heiße Dusche in unserem tollen Bad und dann machen wir uns fürs Abendessen im Hoteleigenen Restaurant mal richtig hübsch; es gibt sogar einen Föhn! Aussehend wie zwei richtige Menschen machen wir uns auf zum Essen mit Panoramablick und Meeresrauschen – es gibt zwei leckere Salate und in Anbetracht der Denguesituation einen Mojito mit und einen ohne Alkohol. Wir genießen diesen Abend in vollen Zügen und blühen richtig auf – was ein wundervoller Ort, was ein wunderbarer Abend. Danach nehmen wir uns noch zwei Mojitos mit auf unser Zimmer und wollen hier noch ein wenig unseren tollen Balkon genießen. Und ehe wir uns versehen, spielt unser Lied – wir tanzen zur Melodie auf dem Balkon und brechen beide in Freudentränen aus, denn an Sissy’s Finger steckt mittlerweile ein kleiner grüner mexikanischer Marktring – Tini hat gefragt und Sissy hat JA gesagt!





Die eine, die eine oder keine. Die eine für ein Leben und ein Leben danach.