• WIR

Quer durch die USA mit Cowboyhut, Bibel und fehlendem Nummernschild

[ 5 8 • T A G E ] Von Seattle nach Portland, hoch ins atemberaubende Alaska, durch das traumhafte Kanada und quer durch die Vereinigten Staaten. 58 Tage durch Nordamerika, von der Westküste zur Ostküste mit einem „kleinen“ Abstecher nach Alaska. 58 Nächte in der Wildnis, 58 Tage und 17.702km (das sind auf die Meile haargenau 11.000Meilen) mit unserem Batmobil.



FLATHEAD LAKE UND GRANDMA

Wir verlassen Kanada und betreten erneut die USA, Grenzüberquerung Nummer 4 – die Grenzüberquerung verläuft wie immer „Haben sie Alkohol, Nicotin, Früchte oder Gemüse dabei?“ – „Nein, Officer“. Und so betreten wir den Bundesstaat Montana und fahren in Schrittgeschwindigkeit über die Grenze – die 1.5 Liter Rotweinflasche und der Lauch hinter der verdunkelten Kofferraumscheibe unseres Dodge Grand Caravan, Zigaretten und Bier unter dem Bett. Von der Grenze sind es noch circa zwei Stunden bis zum Flathead Lake, wo wir ein paar Tage bei „Grandma“ verbringen.



„Grandma“ stellt sich als eben genau diese vor – einen Namen bekommen wir nicht, auch wir rufen sie für die kommenden drei Tage nur „Grandma“. Grandma ist, in ihrem gelben Pullover mit den aufgestickten Maiblumen, das Oberhaupt der Familie Grad, lustig und laut, nicht auf den Mund gefallen, mit einer großen Liebe für Weißwein und einem traumhaften Häuschen am Flathead Lake. Hier verbringen wir ein wunderbares Wochenende mit Ireti, Tini’s bester Freundin, die bei ihrer Gastfamilie aus Collegezeiten den Sommer verbringt. Das Wiedersehen mit diesem lieben vertrauten Gesicht aus der Heimat könnte nicht schöner sein – die Umarmungen sind lang und liebevoll; es fühlt sich nicht an als hätten wir uns vor mittlerweile acht Monaten am Flughafen in Berlin Tegel voneinander verabschiedet; es fühlt sich an wie gestern.



Wir kochen, wir trinken Wein, beobachten Kolibris beim Zuckerwasser schlürfen auf der Veranda und wir gehen wandern. Um 5 Uhr morgens machen wir eine Wanderung im Glacier Nationalpark mit Ireti und Grandma’s Enkelkindern – eine Wanderung zum Hidden Lake Trail am frühen morgen mit traumhafter Landschaft, einem wunderbaren See und schneebedeckten Wegen. Schnee mitten im August – auf 2.000 Höhenmetern nicht unbedingt untypisch am frühen Morgen; für uns einfach ein faszinierender Anblick – es fühlt sich an wie Weihnachten als wir oben über den See blickend einen kleinen handflächengroßen Schneemann bauen. Und auf einmal hat sich das frühe Aufstehen und der Schlafmangel mal wieder gelohnt, auf einmal ist keiner mehr müde und das Wochenende perfekt.




YELLOWSTONE NATIONALPARK

Ursprünglich wollten wir uns unseren Weg Richtung Ostküste durch die kanadische Prärie bahnen, jedoch sollen diese nicht sonderlich viel zu bieten haben. Und so geht es für uns von Montana weiter nach Wyoming – ein weiterer Bundesstaat, in den wir unter „normalen“ Umständen wohl nie gekommen wären; ein weiterer Bundesstaat, der eindeutig unterschätzt und viel mehr zu bieten hat, als man ursprünglich denken würde.

Im Yellowstone Nationalpark verbringen wir eine Nacht auf einem schönen Campground, wo wir am Abend kochen, ein Lagerfeuer machen und bei Rotwein die Stille des Waldes genießen – am Morgen genießen wir ein entspanntes Frühstücken und beobachten dabei ein fleißiges Eichhörnchen, was im Minutentakt Nüsse von A nach B bringt – Eichhörnchen vergessen übrigens ziemlich schnell, wo sie ihre Nüsse versteckt haben; kein Wunder also, dass der arme kleine Alvin so beschäftigt am frühen Morgen ist.



Neben arbeitenden Eichhörnchen, Frühstück und Abendessen, hat der älteste Nationalpark der Welt vor allem ein gigantisches Angebot an Wundern zu bieten –heiße Quellen voller thermophiler Bakterien und Algen, farbenfrohe Geysire, Supervulkane, ein Canyon, Seen, Flüsse und Berge mit gigantischen Ausblicken.


Und so bahnen wir uns unseren Weg durch dieses einzigartige Weltnaturerbe und erkunden das Norris Geysir Basin, das Midway Geysir Basin und die Grand Prismatic Spring sowie den Old Faithful Geysir Basin, der leider nicht wie gehofft vor unseren Augen ausbricht – natürliche Grün-, Orange- und Rottöne geben dieser Welt etwas besonderes, dazwischen smaragdgrüne und hellblaue dampfende Tümpel, begleitet vom lieblichen Geruch fauler Eier mit einem Hauch von Maggi Würze - wir sind hier in einer ganz anderen Welt; ein T-Rex würde diese Welt vervollständigen – stattdessen zahlreiche Bären, Elche und Bisons.




Auch der Yellowstone Gran Canyon und der Yellowstone Lake sind einzigartig in ihrer Begebenheit – wir staunen uns mal wieder die Augen aus. Bei einer 9km langen Wanderung auf den 3.115m hohen Mount Washmore, genießen wir abschließend noch einen weitreichenden Blick über den Nationalpark begleitet von einer Herde Bergziegen.