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Todesangst in Peru: Machu Pichu bedeutet alter Penis

Alles prima in Lima

Auf 35 Grad heißes México folgt ein etwas kühleres Klima in Lima – haha, get it – kühleres Klima in Lima!?



Station eins unserer fast sechswöchigen Rundreise durch Peru ist also Lima. Tini, wie fandest du Lima? „Modern, überraschenderweise schön.“ Lima bietet uns nach langer Zeit mal wieder ein richtiges Stadtleben – schicke Restaurants, leckeres peruanisches Essen, richtig gutes Ceviche, Rotwein und Bier, und dazu eine kostenfreien Stadtführung – uns wird erstaunlich viel über die Architektur der Stadt erzählt, über den Bau diverser Balkone und die Trennung der Stadt in Arm und Reich durch die berühmt Panamerikana – die Straße, die von Alaska bis an den südlichsten Zipfel, Ushuaia, in Argentinien führt. Nachdem wir vorm Palast des Präsidenten noch den Wechsel der Garde beobachten – ein Schauspiel ähnlich wie jenes, dass sich vor London’s Buckimham Palace täglich abspielt – geht es zum Höhepunkt der vierstündigen Stadtführung: Pisco Tasting. Pisco, das Landesgetränk – ein äußerst starker 40zig prozentiger Schnaps. Wir probieren uns durch die diversen Geschmacksrichtungen durch: Pisco-Maracuja, Pisco-Mango, Pisco-Kaffee, Pisco-Schoko, Pisco-Minze, Pisco ganz ohne alles und natürlich das allseits getrunkene Nationalgetränk Pisco-Sour! Nach dem Tasting haben wir nicht nur ordentlich einen im Tee, sondern sind auch eindeutig auf den Geschmack von Pisco-Sour gekommen. Wir sind so sehr auf den Geschmack gekommen, dass wir uns zwei Tage später, zur nachträglichen Verlobungsfeier zu zweit, ordentlich Pisco-Sour einschenken – ordentlich heißt so circa 14 Gläser zu zweit; bei der Happy Hour 2 für 1, die die ganze Nacht zu dauern scheint, ein super Deal. Dabei vergessen wir das Abendessen, kommen mit einer Gruppe chilenischer Herrschaften ins Gespräch, die geschäftlich in der Stadt sind - wir tippen auf die Berufsbezeichnung Drogendealer. Als wir langsam nicht mehr stehen können, langsam aber sicher rückwärts gehen und der Verlust der deutschen beziehungsweise jeglicher Sprache einsetzt, setzten uns die Herren freundlicherweise in ein Taxi und sorgen somit für ein sicheres nach Hause kommen. Auf ein zwar sicheres nach Hause kommen, folgt eine furchtbare Nacht – der peruanische Pisco Sour besteht prinzipiell aus vier Komponenten: 1. Pisco, 2. eben so viel frischer Zitronensaft 3. Ne menge Zucker und 4. rohes aufgeschäumtes Eiweiß. Das diese Inhalte bei der extremen Menge nicht gerade freundlich auf den Magen reagiert, hätten wir uns denken können. Da wir aber am Abend mal wieder zu viel Spaß hatten und einfach kein Ende finden konnten, hat unser fehlendes Mitdenken entsprechende Konsequenzen; es folgt: Das große Kotzen in Lima! Im Hostel mit Gemeinschaftsbad nicht gerade die geilste Situation. Gegen 15 Uhr am Folgetag haben sich unsere Mägen so langsam beruhigt, wir bestellen uns drei Pizzen aufs Zimmer und verbringen so unseren letzten Tag in Lima mit Netflix im Bett!

Dieses Stadtleben ist einfach zu gefährlich.




Klo’s putzen in Punta Rocas

Um ein bisschen Geld zu sparen, haben wir uns mal wieder für zwei Wochen für ein Workaway angemeldet. Diesmal in einem Hostel in Lima – direkt am Strand, nur 45 Minuten südlich von Lima entfernt.

Unser Hostel ist schick und hat tolle Zimmer mit Glasfronten und Meerblick – da wir billige Arbeitskräfte sind, bekommen wir allerdings jeder ein Stockbett im 10-Mann Zimmer - definitiv ohne Meerblick! Was tut man nicht alles, um 10 Tage mal keine Kosten für Unterkunft und Essen zu haben – ja, was tut man nicht alles.

Unser Job ist Gott sei Dank einigermaßen einfach – strikte Arbeitsanweisungen gibt es nicht, an den meisten Tagen suchen wir uns unsere Arbeit selbst. Wir reinigen die Zimmer der Hostelgäste, beziehen Betten, putzen Klos – ja, auch die, wo die Scheiße ganz oben schwimmt - räumen auf, machen den Abwasch, helfen in der Küche, waschen Wäsche, fegen den Poolbereich und empfangen und bespaßen die Gästen – an ein paar anderen Tagen streichen wir die Wände, lackieren die Bambusstäbe und bemalen die dekorative Tafel im Eingang. Alles halb so wild – ein paar Stunden am Tag, dafür gibt es ein Bett und drei Mahlzeiten am Tag.

Die Familie, die das Hostel schmeißt besteht aus Tati (28), ihrem Mann Ronaldo (32) und ihrem gemeinsamen Sohn, Sebastian (7) – sie sind vor ungefähr einem Jahr auf Grund der schlimmen Umstände in Venezuela nach Peru geflohen und verbringen jetzt hier ziemlich leidenschaftslos ihr Leben bis sie hoffentlich eines Tages zurück nach Hause zu ihrer Familie können. Keiner der drei sprichst englisch und so sind unsere Spanischgrundkenntnisse mal wieder gefordert und auch unsere Übersetzer-App läuft wieder auf Hochtouren. Zwei Wochen lang werden wir drei mal am Tag von Tati bekocht – das Essen beläuft sich meist auf Reis mit Fleisch, es gibt sehr viel Ei und noch viel mehr Frittiertes. Als unsere Mägen irgendwann nicht mehr mit dem ganzen Bratenfett mithalten können, bitten wir um Gnade und bekommen fortan einen kleinen Beilagen-Salat serviert. Prinzipiell ist unsere venezolanische Kleinfamilie sehr bemüht uns eine schöne Zeit zu bescheren, der kleine Sebastian sieht uns als neue Spielgefährten und geht uns ordentlich auf die Nerven und ab und wann schaffen wir sogar ein wenig Smalltalk.


In Momenten, in denen wir nicht arbeiten und nicht frittiertes Hühnchen essen, fühlen wir uns meistens etwas nutzlos. Hier in Punta Rocas gibt es einfach nichts zu tun – genau genommen gibt es gar nichts; nichts zu tun, nichts zu gucken, nichts zu erleben. Wir leben in einer einzigen Sanddüne, eine Sanddüne, die uns von der Autobahn trennt – an einem Strand, der vom Tourismus noch nicht entdeckt wurde. Genaugenommen ist es absolut tot hier – die wenigen Buden am Strand, die nicht komplett verrammelt sind, haben meistens geschlossen, es verirren sich kaum Reisende in unserem Alter nach Punta Rocas und das können wir ihnen nicht mal verübel. Punta Rocas ist eine einzige Sanddüne, ein kleiner Schrotthaufen, der darauf wartet eventuell entdeckt zu werden. Punta Rocas, meist ohne blauen Himmel – meist eingehüllt in eine graue Wolke; ein Phänomen, das irgendwas mit Wärme, Feuchtigkeit, den Bergen und dem Meer zu tun hat – und mit der warmen Luft, die über den eiskalten Pazifik weht. Trotzdem ist es tagsüber heiß und auch ohne direkte Sonne, verbrennt man sich innerhalb weniger Minuten jegliche Körperglieder, die nicht in Sonnencreme mit 50ziger Schutz gehüllt sind. Am Strand stehen gigantische Häuser mit riesigen Glasfronten – gefüllt mit leerstehenden Wohnungen, die auf neue Eigentümer warten. Vielleicht sollten wir hier jetzt kaufen – vielleicht ist Punta Rocas in ein paar Jahren ja das Mallorca von Peru. Vielleicht, denn anscheinend soll es hier die beständigste Welle geben und ein echtes Surfer Paradies sein – das weiß nur keiner. Zum Surfen ist uns das Wasser allerdings viel zu kalt und die einzige Surfschule, die wir finden, hat natürlich geschlossen. Also gehen wir in unserer Freizeit am Strand laufen oder fahren in das chaotische Nachbardorf Lurin. Lurin ist ein bisschen wie ein thailändischer Bazar – alles voller Stände, voller gefälschter Markenklamotten (vielleicht ein neuer Nike AirForce mit AirMax Aufschrift?) und voller Schrott, den kein Mensch braucht. Es gibt Hallen voller Lebensmittel – beim Anblick des ganzen toten Schwein neben dem abgetrennten Schweinekopf verdirbt uns den Appetit. Andere Länder, andere Sitten – unser tägliches Gebet, um nicht vollkommen verrückt zu werden. Hier kriegen wir aber dennoch ab und wann ein paar nützliche Dinge: Einen Sack frische Tomaten, einen neuen gefälschten Pullover und eine Handykarte. Prinzipiell stellen wir aber fest, dass die Zeiten des Arbeitens auf unserer Reise nur selten die glücklichsten Momente sind – das liegt allerdings weniger am Arbeiten und mehr an der Unterkunft.


Alles in allem hatten wir rückblickend echt keine schlechte Zeit – die Zeit unseres Lebens, von der wir noch unseren Enkelkindern erzählen werden, hatten wir hier in Punta Rocas allerdings auch nicht. Also geht es nach zwei Wochen endlich weiter – beim Abschied von unserer venezolanischen Familie, und vor allem vom kleinen Sebastian, werden wir etwas wehmütig – dennoch blicken wir mit großer Freude auf die Erkundung Perus zu!

Paracas – die Galapagos Inseln für Arme

Von Punta Rocas geht es nach Punta Negra und von dort über Pisco nach Paracas, ein kleines Fischerdörfchen - hier liegt die Isla Ballestas oder auch die „Galapagos Inseln für Arme“. Da wir uns einen Flug zu den „richtigen“ Gallapagos Inseln schon lange nicht mehr leisten können, kommt das kleine V(ö)gelparadies genau passend. Auf einmal sind wir wieder mitten im Leben – hier gibt es Restaurants, Geschäfte und viele weiße Touristen mit Kamera um den Hals. Hier machen wir einen kleinen Bootsausflug zu den Inseln, wegen der hier alle herkommen – die Isla Ballestas. Hier leben auf den Felsen abertausende Vögel, Pelikane, Pinguine und Seelöwen. Aus der Ferne wirken die Felsen schwarz, sind aber tatsächlich „nur“ so stark von Vögeln besiedelt, dass man den eigentlich grauen Felsen gar nicht mehr sieht.

Hier haben die lieben Tiere ihre Ruhe und verleben ihre Tage mit sonnen und fischen. Herrlich.



Wüste und das Wild-Fu*king-Rover

31 wird man nur einmal im Leben! 


Wie stellt man sich ein Land vor, in dem man noch nie war? Wenn man „Peru“ in der Suchmaschine eintippt, erhält man als Ergebnis den Machu Picchu, indigene Völker und einige Alpacas - entspricht ziemlich genau unserer Vorstellung. Nach der verrückten Vogelwelt im kleinen Fischerdorf, kommt das hier: Eine Wüste, halb so groß wie Japan (180.000km2), mittendrin eine kleine, zwei Hektar große Oase! Ein größeres Kontrastprogramm kann man sich nicht vorstellen – und einen absurderen ersten Advent erst recht nicht.

In der Wüste Huacachina’s gibt es eine kleine Oase – einen kleinen Tümpel gefüllt mit braunem Wasser und vielen kleinen Böötchen, umgeben von Palmen und Billionen Tonnen Sand. In unmittelbarer Nähe der Lagune haben wir uns für zwei Nächte im Wild Rover Hostel ein Zimmer mit ganz eigenem Bad gebucht – hier wollen wir Sissy’s 31. Geburtstag feiern.

Pünktlich zum Check-In betreten wir das Hostel – pünktlich zur Mittags-Happy Hour. Die Musik bummst, angeheizt von Animateuren trinken die Menschen Bier in der Mittagshitze, im Pool wird im tiefen Bereich Volleyball und im Nichtschwimmerbereich Beer Pong gespielt. Willkommen im Partyhostel – ob das Altersentsprechend ist? Keine Ahnung.

Während wir noch auf unsere Pasta warten, melden wir uns bereits für das abendliche Beer-Pong-Tournament an – ob das eine gute Idee ist? Keine Ahnung. Die Pasta verschlingen wir, beim Beer Pong verlieren wir gnadenlos und starten somit mit einer gute Grundlage an Bier in den Abend. Nach und nach lernen wir gut die Hälfte der Hostelgäste kennen – die stark betrunkene peruanische Melissa, die uns im Laufe des Abends ordentlich auf die Nerven geht und Tini sogar irgendwann einfach in die Wange beisst, den mexikanischen Jeffrey, der ohne Begleitung hier ist – er sucht nach einer Frau „eine Party nur mit Männern ist nix – es geht immer nur um die Frauen“, ein peruanisches lesbisches Pärchen, von denen wir viel über Homosexualität in Südamerika lernen, eine allein reisende ungesprächige Australierin, einen Typen aus Uruguay, der unbedingt Tini’s Tanzmoves lernen will, einen recht arroganten Schweizer namens Thomas, der es mit einer Schnapseinladung bei Sissy versucht und natürlich kläglich scheitert – nach seinem Scheitern wird er auch direkt unfreundlich und sagt Sissy wenige Minuten vor ihrem 31. Geburtstag, dass sie ganz schön verbraucht aussieht. Tja. Achso und natürlich lernen wir auch den schwulen Österreicher Michel kennen, der zwar sozial nicht der kompetenteste ist, aber immer noch der „normalste“ hier im Raum zu sein scheint. Ein paar Schnäpse, Longdrinks und Dancesessions später ist es dann auch Mitternacht und passend zum Gebrustag haben sich die Animateure des Fucking Wild Rovers eine Überraschung überlegt. Anstatt Stevie Wonder und einem Törtchen darf Sissy im Coyote Ugly Style auf die Theke und unter laut starkem Anfeuern der Menge nicht einen, nicht zwei, nicht drei, auch nicht vier, nein ganze fünf Schnäpse in kürzester Zeit schlucken. Tja, ob das eine gute Idee ist? Ganz sicher nicht. Beim leicht zittrigen Abstieg von der Theke wird Sissy von allen Seiten gratuliert – weniger zu ihrem 31. Geburtstag und viel mehr zu den fünf Schnäpsen, die jetzt dank ihrer fünf unterschiedlichen Farben einen wunderbaren Regenbogen in ihrem Körper entfachen. Es dauert keine halbe Stunde und der Stand wird wackeliger, der Blick glasiger und die Aussprache undeutlicher. Es folgt noch ein Burger im Flur und dann das Bett. Was ein Geburtstag, was eine Partynacht – was ein 31. Geburtstag. Und während wir uns am Abend noch wir frische 16 gefühlt haben, fühlen wir uns am nächsten morgen eher wie eine solide 59.


Was eigentlich für den Tag des Geburtstages geplant war, haben wir auf Grund von extremen Schwingungen im Kopf auf den Folgetag verlegt – es geht in die Wüste, auf zur Dünen Tour! Mit einem Buggy geht’s gemeinsam mit ein paar anderen Touristen mit Vollspeed durch die Dünen – Berge rauf, Berge runter, rechts, links – wir sind in einer Achterbahn ganz ohne Gleise. Wir haben viel Spaß, der Adrenalinspiegel steigt ins Unermessliche – Gott sei Dank haben wir das nicht gestern auf den Kater gemacht. An einer besonders schönen und vor allem steilen Düne halten wir an – hier haben wir einen grandiosen Überblick über die Dünenlandschaft und die Lagune in der Ferne. Hier dürfen wir uns eine Runde im Sandboarding üben während neben uns eine kleine Gruppe Ski fährt.

Arequipa

Eine 13-stündige Busfahrt trennt uns von Arequipa. Die Fahrt ist über Nacht, die Sitze sind einigermaßen bequem, in jedem Sitz befindet sich ein kleiner Fernseher und es gibt ein kleines Abendessen – das Erlebnis Busfahrt erinnert eher an ein Erlebnis Flugzeug – ein paar Turbulenzen in Form von ganz schön scharfen Kurven inklusive. Morgens um 7 kommen wir in Arequipa an und können nach der sehr kurzen Nacht Gott sei Dank direkt in unser Hostel einchecken – erstmal zwei Stunden schlafen. Nach Hören-Sagen soll Arequipa die schönste Stadt Lateinamerikas sein – was den Hauptplatz angeht, können wir das bestätigen – für alles was außerhalb eines 1-km-Radiusses unseres Hostels lag, waren wir zu ausgebrannt. Drei Nächte und drei Tage verbringen wir in Arequipa – zum Essen verlassen wir unser Hostel, sonst machen wir nichts und das ist nach den vergangenen Tagen und Wochen und bei dem was wir noch vorhaben auch gut so. Auf drei Tage Nichts-Tun folgen erneute 12 Stunden Busfahrt nach Cusco – es ist Zeit den Kreislauf wieder in den Gang zu kriegen und Peru weiter zu erkunden.



Cusco & 74km bis zum Macchu Picchu

Nach 12 Stunden Busfahrt erreichen wir also Cusco. Auf 3.400 Höhenmeter sind wir umgeben von vielen wundervollen Bergen. In mitten der Stadt befindet sich der Plaza de las Armas, dort finden wir am Rathaus zum einen die peruanische Flagge und zum anderen die Regenbogenflagge. Ist Cusco etwa die Hauptstadt der Schwulen? Ist etwa Pride? Tatsächlich finden wir noch weitere Regenbogenflaggen - an öffentlichen Plätzen, an allen Straßen und an Autos. Sind die Inka etwa alle schwul oder einfach nur ein extrem tolerantes Volk? Tatsächlich ist die Antwort eine andere: Die Regenbogenfarben werden in Peru gezeigt, weil sie Tawantin Suyu oder Inka Gebiet präsentieren. Die Verwendung der Regenbogenfahne hat ihren Ursprung in der Kultur der Inka und wird Wiphala genannt. Wir fühlen uns trotzdem willkommen und feiern die Präsenz der ganzen Regenbogen um uns herum!




Cusco, im peruanischen Andenhochland, ist mit seinen 111.930 Einwohner im Stadtgebiet sowie 428.450 Einwohnern im Ballungsrau, viel größer als wir erwartet hätten. Cusco ist schön und hat eine schöne Architektur – einzig und allein die Jagd auf Touristen treibt uns ordentlich in den Wahnsinn. An jeder Straßenecke und vor allem um den Hauptplatz herum, kann man keinen Meter gehen, ohne angesprochen zu werden - das Angebot an Touren, Restaurants, Souvenirs und Massagen (?!) sind unglaublich und die penetrante Art und Weise die Touristen für sich zu gewinnen extraordinär. Wir sind total genervt von diesem extremen Überangebot und davon, dass wir mal wieder wie prall gefüllte, laufende Bankautomaten behandelt werden. Tatsächlich wollen auch wir gewissen Souvenirs kaufen, in Restaurants dinieren und eine Tour buchen (von den „Happy Ending“ versprechenden Massagen möchten wir absehen), wählen jedoch ausschließlich die Läden, die es nicht nötig zu haben scheinen, Werbung zu machen – so finden wir die wohl weltbeste italienische Pasta, die Cusco zu bieten hat, kaufen uns eine grandiose Alpaca Decke und ein Alpaca Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und buchen zu guter Letzt das absolute Highlight Peru’s: Den Salkantay Trek – 74km zu Fuß bis zum Machu Picchu!



Vor unserer Ankunft in Cusco haben wir oft über den unvermeidlichen Besuch beim Machu Picchu gesprochen: Ihr wart sechs Wochen in Peru und wart nicht beim Machu Picchu? Wir finden das „Touren“ Angebot für den Machu Picchu katastrophal – über 100€ pro Person für sechs Stunden Busfahrt zum Machu Picchu, den Eintritt und den damit verbundenen vierstündigen lieblosen Besuch der Inkastätte und eine am Folgetag erneute sechsstündige Busfahrt zurück nach Cusco. Wir halten das für Geldverschwendung, Touristenabzocke und Zeitverschwendung – der Gedanke liegt nah, den Machu Picchu auszulassen, aber die potentiellen Diskussion zum Thema „Sechs Wochen Peru ohne Weltwunder“ wollen wir vermeiden!

Um zu vermeiden, dass wir über zwei Tage verteilt 12 Stunden im Bus sitzen zu müssen und nur einfach zum Machu Picchu hochgekarrt werden, entscheiden wir uns dazu den Machu Picchu selbst zu erklimmen – vier Tage fußläufig, 74km und auf 4.600 Höhenmeter. Und während der Machu Picchu für uns alte Kulturbanausen „ganz nett“ war, waren die 74km bis zum Weltwunder für uns Naturliebhaber einer der absoluten Höhenpunkte unserer Peru Reise.

Tag 1 – 14km Um 3.45Uhr klingelt der Wecker, eine halbe Stunde später werden wir abgeholt. Heute starten wir den Salkantay Trek - 4 Tage, 3 Nächte - zu Fuß zum Machu Picchu!

Heute ist „Warm Up“ - nach zwei Stunden Busfahrt gibt es Frühstück in Mollepata, dann folgt nochmal eine Stunde Busfahrt bis Morcaq‘asa. Von hier laufen wir unsere ersten 10km bis zu unserem Camp in Soraypampa auf 3850 Höhenmetern. Es folgt ein Mittagessen - danach laufen wir weiter zum traumhaften Humantay Lake auf 4.200 Höhenmetern - der Weg ist steil, die Luft unwahrscheinlich dünn und Pferde stehen am Wegrand - vor uns der gigantische schneebedeckte Sechstausender Humantay! 2km bergauf, verweilen am See, dann das ganze wieder runter. Die Nacht verbringen wir in kleinen nicht isolierten 2-Mann Hütten im Schlafsack. Kalt ist es, aber wunderschön!




Tag 2 – 22km

Um 4:15 Uhr werden wir mit Coca Tee geweckt - ohnehin ernähren wir uns den halben Tag von Coca Blättern und Coca Bonbons, denn heute geht es hoch hinaus! #ashighasakite

22km - um 6 Uhr geht’s los; die ersten 7km über den 7-Snakes Trail steil bergauf bis wir den Salkantay Pass erreichen und somit auf 4.600 Höhenmetern stehen - das höchste was wir je erklommen haben! Die Luft ist dünn - ultradünn und wir ultrastolz!

Danach geht’s vorbei am Sechstausender Salkantay, der alle paar Minuten eine Lawine abwirft. Es folgen 15 schmerzhafte Kilometer bergab. Über Stein und Geröll - vom Berg ins Valley - es ist nebelig, viel sieht man heute nicht - ein paar Stunden später tut sich der Dschungel auf - hier ist auch unser Camp - überraschenderweise mit heißer Dusche. Tag 2 ist geschafft und die Zehen im Eimer.


Tag 3 – 24 km

Ausschlafen gibt es nicht mehr - um 7 Uhr gehts wieder los. Die müden Beine schleppen wir zunächst 12km durch den Dschungel - bergauf - bergab, vorbei an Wasserfällen, stets begleitet von einem reißenden Fluss! Die Sonne knall heute richtig, der Himmel ist blau und die Laune noch gut. Unterwegs gibt es leckere frische Früchte und die wohl beste Mango, die wir je gegessen haben!

Zum Mittag gibt es Lama mit Avocado - Gott sei Dank nur aus Blätterteig. Dann verabschieden wir uns von unserer Gruppe - hier trennen sich die Wege der 4-Tages und 5-Tages Wanderer!

Per Bus geht es von hier nach Hydro Elektrica; ab hier heißt es 12 weitere Kilometer entlang der Zuggleise laufen, bis wir in Aquas Calientes aka „Machu Picchu Pueblo“ ankommen. Hier erwartet uns ein richtiges Bett in einem Hostel mit WLAN und heißer Dusche!




Day 4 – 14km

Mal wieder ist es 6 Uhr morgens und mal wieder sind wir auf den müden Beinen. 1 1/2 Stunden, 500 Höhenmeter und um die 1.600 Stufen trennen uns vom Weltwunder Machu Picchu. Schwitzend und ordentlich außer Atem erreichen wir unser Ziel und beginnen nach einem kleinen Frühstück die Erkundung der Stätte - begleitet von Llamas und minütlich wechselnden Wetterbedingungen - Sonne, Regen, Wolken.

Machu Picchu bedeutet übrigens alter Berg. Fun Fact: Lässt man ein „c“ weg - Machu Pichu - bedeutet es in der Aussprache übrigens Alter Penis. Da wollen wir mal hoffen, dass wir den richtigen erklommen haben!

Nach dem Aufstieg folgt der Abstieg - alle Treppen wieder runter, danach 12 KM entlang der Gleise zurück nach Hydro Elektrika zu unserer Busstation. Der Rückweg ist schmerzhaft, die Füße voller Blasen - oh Machu Picchu, was ein Erlebnis, was eine Wanderung - wir waren hier.



4 Tage - 74 KM - 1 Weltwunder.

Per Minivan geht es innerhalb von sechs Stunden zurück nach Cusco. Leider vermiest uns die Rückfahrt ordentlich die Laune - unser Fahrer ballert verantwortungslos in Höchstgeschwindigkeit über die Serpentinen ohne Leitplanken - rechts und links Abgründe keines gleichen, Schluchten bis 3000 Meter tief, achtlose Überholmanöver in Kurven, mit 80 durch dreißiger Zonen - 6 Stunden später, Schockstarre und voller Todesangst und Tränen erreichen wir Cusco und unser Hostel und fallen nur noch ins Bett!



Wir haben überlebt - ohne zu übertreiben, war das Erlebnis „Machu Picchu“ wohl eines der krassesten dieser Reise - vier Tage wandern, 74 KM bergauf und bergab, bis auf 4.600 Höhenmeter und das ganze beendet mit einer Achterbahnfahrt ohne Leitplanken und Sicherheitsvorkehrungen.


Weltwunder Machu Picchu: Check

74 Kilometer: 4 Tage, 3 Nächte, 74km, 165.117 Schritte auf dem FitBit, 17.028 verbrannte Kalorien und als Höhepunkt ein Weltwunder!

Hier in der Natur sind wir am glücklichsten. Hier auf unserem Weg zum Machu Picchu fühlen wir uns frei. Mit das Beste an den 74km - neben Ausblick und dieser geballten Masse an Natur - waren vor allem die unsere Wanderfamilie, die Sexy Pumas: Jojo und Lucy, Felix, Emre und Eliod, allen voran unser Guide Emil!  

Hier in der Natur verbrauchen wir so viel Energie und Kraft und bekommen gleichzeitig so unwahrscheinlich viel Energie und Kraft von Mutter Erde zurück.

Dankbar für diese Zeit, für jeden Moment und für den Weg, den wir gemeinsam gehen dürfen.




Titicacasee – Peru & Bolivien

„Die Vögelein die Vögelein vom Titicacasee die heben wenn die Sonne lacht das Schwänzchen in die Höh ach Mägdelein ach Mägdelein wenn ich dich vor mir seh wär ich so gern ein Vögelein vom Titicacasee.“ – das sangen De Räuber und jetzt sind wir hier – am Titicacasee.


Drei Tage Titicaca See - von der peruanischen sowie der bolivianischen Seite - ein See, den sich zwei Länder teilen, deren Landesgrenze einmal durch die Mitte des Sees verläuft. Hier Leben die Menschen auf selbstgebauten auf Wuzeln schwimmenden Inseln. Hier leben die Menschen auf der Insel Uros mit einem eigenen Präsidenten und müssen ganz nebenbei nicht mal Steuern zahlen. Wir besuchen die Insel von Puno aus per Boot und dürfen auch eine Runde mit einem traditionellen Boot der Ureinwohner drehen. Es ist schon verrückt, was für unterschiedliche Formen von Leben und sozialen Gemeinden es gibt – hier ist alles ganz anders und doch so vieles so gleich. Mutter, Vater, Kind und Hund – zwar leben sie in kleinen selbstgebauten Strohhütten in der Mitte auf einem See und doch wollen sie alle genau das gleiche wie wir: Leben, glücklich sein, ihre Familie ernähren und in einer liebevollen Gemeinschaft leben.