• WIR

NYC: EIN HALBMARATHON, VOLLE HERZEN & GOODBYE TONY

Nach acht Monaten unterwegs – nach acht Monaten im Auto leben – nach Neuseeland, Australien, Thailand, Hongkong und unserem Roadtrip hoch nach Alaska, durch Kanada und einmal quer durch die USA legen wir eine kurze „Pause“ ein.



Wir verbringen drei Wochen bei Sissy’s Gastfamile in New Jersey – mit eigenem Zimmer mit einem richtigen Bett und eigenem Bad mit Klo, Waschbecken und heißer Dusche, mit Küche, Tisch und Stühlen – die im übrigen nicht mehr aufgebaut werden müssen - , mit Strom, Licht und Steckdosen – für drei Wochen führen wir jetzt ein ganz normales Leben – mit Pool und Motorboot im Garten, mit Auto, Fahrrädern, Basketballkorb, Tischtennisplatte, mit Fernseher, Waschmaschine, Trockner und dauerhaftem kostenfreiem W-LAN. Leute, für euch hört sich das nach normalem Alltag an - für uns ist das was richtig krasses – das krasseste wahrscheinlich immer noch das saubere und Geziefer-freie Klo auf das man sich tatsächlich setzen (!) kann.

WE ARE (NEVER AGAIN) BABYSITTERS

Drei Wochen leben wir jetzt also in der Realität und sind Teil des richtigen Lebens - von den drei Wochen spielen wir 10 Tagen Babysitter – Anna und Simon (Gasteltern) sind in Indien und wir passen auf den 12-jährigen Lucas und die 10-jährige Laura auf, die zu Sissy’s AuPair Zeiten noch kleine Babies waren – wir haben Spaß und ganz vorne ran viele Nervenzusammenbrüche. Kinder wecken, Brote schmieren, zur Schule bringen – erste Diskussionen am Morgen. Dann haben wir erstmal „Pause“ – liegen KO auf dem Sofa und gucken eine Folge Grey’s Anatomy nach der anderen. Dann heißt es Kinderzimmer herrichten, Wäsche waschen und für’s Abendessen einkaufen gehen. Gegen 15 Uhr müssen die Kinder wieder aus der Schule geholt werden – dann geht es zum Tennis oder Fußball – jeden Tag ist etwas und wenn mal nichts ist, dann werden die Kinder zu Freunden chauffiert oder wir gehen mit ihnen in eine der zahlreichen Plastik-Spielarkaden. Dann kochen wir – Nudeln, Pizza, Reis mit Hühnchen, Kartoffel-Püree, Eintopf – die wenigsten Gerichte sind nach dem Geschmack der Kinder; ist aber auch schwierig wenn man 10 Jahre alt ist – ein Alter, in dem man einfach nichts mag. Kein Käse, kein Gemüse, nur eine bestimme Brotsorte aber bestenfalls ohne Rand, keine Butter unter der Salami und eigentlich geht eh nur Peanut-Butter und Jelly. Zudem mag man nur den einen Trampolinpark, nicht aber den anderen und Minigolf hassen wir seit neustem auch. Zum Fußballtraining will irgendwie auch keiner, obwohl es sich beide selber ausgesucht haben und Hausaufgaben machen steht meistens als allerletztes auf der Tagesordnung. Beim Einschlafen reicht es mittlerweile nicht mehr aus eine Geschichte vorzulesen – nein, wir sollen uns die doch bitte ausdenken – und so werden die 7 Zwerge aus Schneewittchen schnell zu sprechenden Eichhörnchen, der Schrank der nach Narnia führt, führt jetzt in einen magischen Ort voller Süßigkeiten im Stil vin Charlie und die Schokoladenfabrik und Jack Frost findet spontan ganz viele andere Schneemannfreunde im Wald um die Ecke. Die Geschichten kommen gut an, prinzipiell stellen wir jedoch fest, dass Kinder ganz schön viel Arbeit machen und alles andere als süße kleine dankbare Wesen sind. Nach 10 Tagen, von denen wir jeden Tag gegen 20 Uhr völlig erschöpft vor’m Fernseher einschlafen (um Alkoholiker zu werden, sind wir leider zu erschöpft), können wir die Rückkehr der Eltern gar nicht mehr abwarten.


P.S.: Wir lieben Euch so so sehr und hatten eine schöne Zeit mit Euch, ihr kleinen Frechdachse!


Bei deren Ankunft sind wir einfach nur dankbar und in Null-Komma-Nix wieder entspannt. Unsere restliche Zeit in New Jersey genießen wir in vollen Zügen; mit dem Hund spazieren gehen, Risiko spielen, mit dem Boot rausfahren, im Sale Shoppen gehen, im Pool schwimmen, grillen, laufen gehen, auf dem Tennisplatz im Garten Tennis spielen, am Strand liegen, mit den Fahrrädern umher fahren, Spanisch lernen, Karten spielen, Wein und Bier trinken, Ladiesnight mit Anna und ihren Freundinnen, ... eben das, was man macht, wenn man wieder ein ganz normales Leben in einem Haus führt. Wir haben eine wunderbare Zeit mit Familie und Freunden und fühlen uns wie Zuhause - wir sind Zuhause – das tut gut, wenn man so lange schon von Zuhause weg ist. Unsere Herzen sind gefüllt.




NEW PORT LIBERTY HALF MARATHON

Zwischen Boxenstop im richtigen Leben, Energie tanken und Babysitter spielen, laufen wir ganz nebenbei den Newport Liberty Halfmarathon – in Jersey City laufen wir 21.1km entlang der New York Skyline.




Am Sonntagmorgen (15.09.2019) klingelt der Wecker um 5Uhr morgens – aufstehen, duschen und das am Vortag sorgfältig rausgelegte Laufoutfit anziehen. Ein schnelles Frühstück, ein Kaffee und dann fahren wir ungefähr eine Stunde von Zuhause bis nach Newport in Jersey City. Hier angekommen parken wir unseren Van (den wir zu dem Zeitpunkt übrigens immer noch besitzen) im Parkhaus und gehen von hier zum Newport Green Park – hier geht’s nochmal auf’s Klo, zur Taschenabgabe und dann zum Start. Im Start angekommen stehen wir in mitten von 3000 glücklichen Teilnehmern, 2 davon sind wir – der Himmel ist blau, die Sonne knallt – es ist heiß, richtig heiß. Es gibt ein paar motivierende Reden, dann die amerikanische Nationalhymne und dann geht es auch schon pünktlich um 8:30Uhr los. Wir haben keine Schwierigkeiten uns schnell aus der Masse zu lösen und starten in einem, für unseren geringen Trainingsaufwand, super Tempo, welches wir über die ersten 5km gut halten können. Danach fängt die Hitze langsam an uns etwas Probleme zu bereiten und wir bedienen uns fleissig an jedem Wasserstand. Wir laufen entspannt durch Jersey City und sehen einige schöne Gebäude, bis wir dann bei Kilometer 9 den Liberty State Park betreten – ab hier beginnt eine Reihe von emotionalen körperlichen Reaktionen: Gänsehaut, Atemnot, Tränen in den Augen. Wir können es kaum glauben. Mit dem betreten des Liberty State Parks eröffnet sich eine traumhafte, gigantische und einfach einzigartige Kulisse. Downtown Manhatten hat sich aus dem Nichts vor uns aufgebaut – mitten drin der Freedom Tower. Bei Kilometer 10 blicken wir auf Ellis Island und die Freiheitsstatue. Wir laufen den Hudson River entlang Richtung Süden bis wir durch eine Kurve wieder zurück Richtung Norden gebracht werden – erneut vorbei an der Freiheitsstatue. Jetzt müssen wir anhalten – dieses Bild ist zu krass. Wir bleiben stehen, genießen die Sicht und den Ausblick und den Geruch des Meeres – wir machen ein paar Fotos und Videos. Das machen an dieser Stelle übrigens alle – bei dem Anblick ist auf einmal allen die Zielzeit vollkommen egal – auch uns; wir wollen einfach nur diesen Moment genießen. Dann geht es weiter; Richtung Norden laufen wir weiter am Hudson River entlang, parallel zur Skyline von Manhatten, vorbei am Freedom Tower bis sich wenige Kilometer in der Ferne endlich das Empire State Building zeigt. Die Emotionen gehen mit uns durch – welch ein traumhafter Blick bei blauem Himmel und Sonnenschein – der Blick auf diese gigantische Stadt könnte nicht besser sein. Danach folgen noch fünf sehr anstrengende Kilometer – es wird immer heißer, aber der Anblick lässt zumindest gelegentlich die Anstrengung vergessen. Bei Kilometer 21.1 laufen wir dann endlich händchenhaltend ins Ziel – der Kommentator ruft noch unsere Namen aus und dann geht es zur Medaillenvergabe: „Ich habe Angst, dass sie auseinanderfällt, wenn ich sie berühre.“ – sagt die Dame, während sie Tini, die Medaille um den Hals hängt.



Völlig erschöpft, aber unwahrscheinlich glücklich über dieses traumhafte einzigartige Ereignis, setzten wir uns auf die Wiese, trinken Wasser, essen einen Bagel und machen im Anschluss natürlich noch Siegerfotos vor der New York Skyline.